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Fast echt
Paula, fünfundreißig, hat sich bisher
immer irgendwie durchs Leben geschummelt - bis sie schließlich per
Zufall als Ärztin in der Notaufnahme eines Münchener Krankenhauses
landet. Einziger Haken: außer einer abgebrochenen Ausbildung als
medizinische Laborantin hat sie keine Qualifikation. Dank gesunden Menschenverstandes
und weiblicher List managt sie den Job hervorragend. Zum ersten Mal kehrt
Ruhe und Beständigkeit in Paulas Leben ein. Bis sie Tatjana kennenlernt
- ein russisches Callgirl auf der Flucht vor ihrem Zuhälter und der
Russen-Mafia... Ein unterhaltsamer Roman über die Liebe, das Leben
und eine charmante Hochstaplerin wider Willen.
224 Seiten Kartoniert
Erstverkaufstag: 20. Dezember 2004
EUR(D) 7,95 / sFr 14,70
ISBN 3-492-26114-0
Leseprobe aus Fast echt
Von wegen Pech! Daß Theresa Neubauer mit einer Sommergrippe im Bett
lag, war kein Pech, sondern der ultimative Supergau. Was sollte Paula
denn ohne die Assistentin anfangen? War sich das Mädchen überhaupt
bewußt, was sie mit ihrer Wehleidigkeit anrichtete? Wegen ein bißchen
Fieber und Gliederschmerzen blieb man doch nicht einfach zu Hause. Paula
las die Notiz der Personalabteilung mehrmals durch. In zwei bis drei Tagen
sei Assistenzärztin Neubauer wohl wieder auf den Beinen. Zwei bis
drei Tage. Es hätten genau so gut zwei bis drei Monate auf dem Zettel
stehen können, für Paula wäre es auf dasselbe herausgekommen.
Sie brauchte Theresa nicht irgendwann, sondern jetzt. Unverzüglich
und absolut dringend, um diesen kotzenden Patienten in den Griff zu kriegen.
Er lag im Behandlungszimmer Nummer eins, wo ihm schier der Magen zum Hals
raus kam. Und Markus Rothenfeld, den zweiten Assistenzarzt, konnte sie
auch nicht mit dem Fall betrauen. Denn Markus - um das Teamgefühl
zu verstärken, hatte Paula ihm, genauso wie den Schwestern und Pflegern,
das kollegiale Du angeboten - war selber am Anschlag. Er hatte es mit
einer Gynäkomastie zu tun, einer Vergrößerung der männlichen
Brustdrüse, wie Paulas schlaues Buch der inneren Medizin ihr sagte.
Zwecks Ursachenfindung empfahlen die blauen Seiten neben einer körperlichen
Untersuchung auch eine Hormonüberprüfung sowie ein Brust-Röntgen,
um ein Bronchialkarzinom, also Krebs, ausschließen zu können.
Nur über den Umgang mit einer hysterischen Ehefrau, die einfach nicht
verstehen wollte, daß ihr Mann auf einmal die größeren
und pralleren Titten wie sie selbst hatte, stand nichts geschrieben. Darüber
schwieg sich das Nachschlagewerk wohl bewußt aus, damit der Verlag
nicht belangt werden konnte, wenn verzweifelte Ärzte in Ausübung
ihrer Arbeit keinen anderen Ausweg mehr sahen, als die nervigen Angehörigen
der Patienten mit Valium ruhig zu stellen. Da konnte Paula von Glück
reden, daß ihr Vomitus - klang irgendwie verträglicher als
Kotzer - ohne aufgelöste Schwiegermutter auf der internen
Aufnahme aufgekreuzt war. Ihr reichte schon, daß hinter seiner schwallartigen
Entleerung des Magens über Speiseröhre und Mund aberdutzende
möglicher Ursachen stecken konnten. Eine Schwangerschaft und die
Seekrankheit schloß sie von vornherein aus, um den Findungsprozeß
zu beschleunigen. Und wie einer, der freiwillig Galle speite, wirkte der
Mann, der als Beruf Metzgermeister angegeben hatte, auch nicht, weshalb
für Paula die Eß-Brechsucht, auch Bulimie genannt, ebenfalls
wegfiel. Blieben also für die Verdachtsdiagnose so verständliche
Begriffe wie gastroduodenale Ulkuskrankheit, Subileus, Morbus Ménière,
Pyelonephritis und Hyperparathyreoidismus. Oder ein akutes Abdomen. Natürlich!
Wer sich ständig übergeben mußte, dem tat die Wampe irgendwann
automatisch weh, egal, was der Auslöser der Übelkeit war. Paula
beschloß, den Metzgermeister auf Bauchschmerzen zu diagnostizieren,
was ihr die einmalige Möglichkeit bot, ihn ohne große Erklärungen
an die chirurgische Aufnahme weiterzureichen. Denn bei einem akuten
Abdomen ist von Anfang an die Zusammenarbeit mit dem Chirurgen obligat.
Sie klappte das Nachschlagewerk zu, wählte drei Mal die zwei für
den internen Transportdienst und ordnete eine sofortige Verlegung des
Patienten an.
Bezugsadresse
Fast echt ist im Piper Verlag München erschienen und in sämtlichen
Buchhandlungen sowie an den Kiosken erhältlich. Oder über www.buchhaus.ch
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